nachgefragt bei Simona Aebersold

Simona Aebersold

Fotografie (alle Bilder des Beitrages): Rémi Steinegger

Spitzensporttrainings zu Corona-Zeiten: Interview mit OL-Läuferin Simona Aebersold

Das Trainieren wie gewohnt war aufgrund der Corona-Krise von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich. Was war dein erster Gedanke?

„Mein erster Gedanke war: „Wie schaffe ich es, allein Intervalltrainings zu laufen?“ Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich nicht wirklich gerne für mich selbst Lauftrainings mache, schon gar nicht harte Intervalltrainings.“

Wie hat sich deine Trainingsroutine während des Lockdowns verändert?

„Ich habe viel qualitativer trainiert. Da die Wettkämpfe wegfielen, absolvierte ich Intervalltrainings mit mehr Intensität als sonst. Allgemein bin ich mit dem Trainingsprogramm wieder ins Wintertraining zurück, da die ersten wichtigen Wettkämpfe ja nun später stattfanden. Das heisst, ich konnte eine meiner Lieblingstrainingseinheiten, den Longjogg, nun auch mal im Frühling durchführen, was sonst immer in die kalte Jahreszeit fiel.“

Was war für dich die schwierigste Hürde während der Corona-Zeit?

„Das viele Trainieren allein. Ich war es gewohnt, nur sehr wenige Trainings ohne Trainingspartner oder Trainer machen zu müssen. Während der Corona-Zeit gab es keine Trainings des Nationalen Leistungszentrums und keine Trainingslager mehr und ich musste plötzlich alle meine Trainings für ich selbst machen. Ich habe dieses Problem teilweise versucht zu lösen, indem ich mit Musik oder Podcasts trainierte, was ich früher immer belächelte.“

Siehst du den Corona-Wettkampf-Ausfall nachträglich als Chance oder denkst du, es hat dich geschwächt?

„Es ist sicher eine Chance, mich in Bereichen, in denen ich noch schwächer bin, zu verbessern. Ich konnte mich eine Zeit lang super auf das Laufen konzentrieren und physisch schneller werden, was ich unter anderem in einer neuen Bestzeit über 3000m sah. Ohne die Wettkämpfe war ich freier im Gestalten meines Trainings und konnte mich gut auf das Physische konzentrieren. Jedoch fehlte mir dadurch die Abwechslung der verschiedenen Unterlagen zum Laufen (vor allem der weiche Boden der OL-Trainings in skandinavischem Gelände), da ich nun hauptsächlich auf hartem Untergrund wie Strassen oder Wegen trainierte. Ausserdem musste ich im Juli verletzungsbedingt eine Laufpause einschalten. Dies, obwohl ich eigentlich sonst nie verletzt bin. Es gibt also sowohl positive wie aber auch negative Effekte von Corona.“

Wenn ich das richtig im Kopf habe, hattest du bereits wieder Wettkämpfe. Inwiefern hat sich der Wettkampfablauf geändert? Nimmst du die Veränderungen positiv wahr?

„Ja, die ersten Wettkämpfe fanden gerade noch vor meiner Verletzungspause statt. Es war cool wieder einmal einen richtigen Wettkampf mit Zeitmessung zu laufen und nicht nur an den vom Nationalkader organisierten individuellen Trainings allein im Wald teilzunehmen, die Zeit mit der eigenen Uhr zu stoppen und danach die Zwischenzeiten in eine Excel-Datei einzugeben, um sich mit den anderen vergleichen zu können. Der Wettkampfablauf hat sich aber nicht geändert, da ist alles beim Alten geblieben.“

27. August 2020

zur Person

Simona Aebersold

Simona Aebersold ist eine 22-jährige OL-Läuferin aus Brügg bei Bern. Von 2015 bis 2019 war sie Mitglied der Junioren-Orientierungs-Nationalmannschaft. 2018 konnte sie ihren ersten internationalen Elite-Wettbewerb (EOC Tessin) laufen und die erste Medaille auf Elite-Niveau gewinnen. Neben ihrer Sportler-Karriere studiert sie Sport und Psychologie an der Uni Bern.