Rückblick: Die Fussball-WM in Russland aus Sicht des Materialwartes

Silvan, du warst ja schon an der EM 2016 dabei und jetzt auch an der WM 2018 in Russland: Welche Aufgaben übernimmst du als Materialwart?

Silvan: Vor der WM war ich für die Materiallogistik nach Russland zuständig. Vor Ort in Russland sorgte ich dafür, dass die Spieler immer ausgerüstet waren. Jeder Spieler kann vor dem Training seinen individuell zugeschnittenen Kleiderstapel fassen. Für die vier Trainer, Cheftrainer, Assistenztrainer, Konditionstrainer und Torwarttrainer, gilt dasselbe Prinzip. Die weiteren Teammitglieder, wie Physios und Ärzte, rüsten sich selber mit dem nötigen Material aus. Im Training lege ich das nötige Material bereit und assistiere bei verschiedenen Übungen. An einem Spieltag richte ich die Kabine sauber ein, damit alles bereit liegt, wenn die Mannschaft eineinhalb Stunden vor dem Spiel erscheint. Während dem Spiel bin ich auf der Trainerbank und für allfälliges Ersatzmaterial verantwortlich. In der Halbzeit lege ich den Spielern ein neues Trikot bereit, damit sie ihr verschwitztes Shirt wechseln können. Nach dem Spiel geht es nur noch ums Aufräumen. Waschen und Schuheputzen gehört nicht zu meinen Aufgaben, denn wir sind insgesamt zu viert im Materialteam.

Die Spiele konntest du jeweils von der Trainerbank aus verfolgen, was war dein persönliches Highlight an dieser WM?

Silvan: Das Highlight ist vor allem, dass man die Emotionen hautnahe miterlebt. Zu Hause vor dem Fernseher mitfiebern ist nicht vergleichbar mit dem Erlebnis im Stadion. Ich habe im Prinzip einer der besten Plätze, muss aber gleichzeitig stets aufmerksam und bereit sein, wenn irgend etwas mit dem Material passiert. Das Highlight war emotional gesehen sicher das Spiel gegen Serbien: Wir liegen 0:1 im Rückstand und wissen, wir würden mit diesem Resultat ausscheiden. Plötzlich gelingt uns in der zweiten Halbzeit das 1:1 und anschliessend in der Nachspielzeit das 2:1. Dann explodierst du förmlich und drehst nur noch durch.

Wie hast du das Achtelfinalspiel Schweiz-Schweden miterlebt?

Silvan: Wir waren öfter in Ballbesitz und wussten gleichzeitig, dass die grossen und kräftigen Schweden nicht zu unterschätzen sind. Uns fehlten irgendwie die nötigen Mittel, um diese Abwehr zu knacken. Wir hatten die eine oder andere Chance, aber nach dem 0:1 Rückstand kam noch die Angst vor dem Ausscheiden dazu. Egal wie gut du in den Gruppenspielen bist, wir haben in einer starken Gruppe kein einziges Mal verloren, kann es trotzdem schon nach dem ersten K.O.-Spiel vorbei sein, wenn du die Partie nicht mehr drehen kannst. Am Schluss war es halt eine riesen Enttäuschung, es herrschte eine Leere, Totenstille. Am nächsten Tag nervt man sich, wenn man realisiert, dass man gerade eine riesen Chance verpasst hat. Das Wissen, wir müssen jetzt zusammenpacken, unser Camp und Russland verlassen und nach Hause fliegen, wahr ein sehr merkwürdiges Gefühl. Man hat sehr viel Zeit zusammen mit dem Team verbracht, sich auch daran gewöhnt und auf einmal ist man wieder zu Hause im Alltag.

Hast du spontan eine lustige Geschichte auf Lager, aus dem Hotel oder aus den Trainingseinheiten?

Silvan: Um die Stimmung im Training zu fördern, macht man halt ab und zu ein paar Scherze: Am Ende eines Trainings sammelte ich wie üblich alle Bälle zusammen und rief «Achtung Ball!», aus Spass und in voller Lautstärke: Da erwischst du fast jeden Spieler, wie er zusammenzuckt. Yvon Mvogo legte sich sogar auf den Boden, weil er dachte, er werde im nächsten Moment vom Ball getroffen.

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