„Was selbstverständlich sein müsste, ist es nicht“. Die erfolgten Aktionen zur Lohngleichheit, Gleichstellung und Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserem Land waren und sind bemerkenswert, umso mehr, als es aus einem liberalen Menschenverständnis heraus nicht nachvollziehbar ist, dass eine Zweiklassenbehandlung von uns Bürger und Bürgerinnen besteht. Unheimlich wird die Fragestellung dann, wenn wir die Gleichstellung auch auf andere Bereiche wie Herkunft, Hautfarbe und Aussehen ausweiten. Wie sieht unser Land aus dieser Perspektive aus? Im Sport sind alle gleich und Sieg und Niederlage sind nicht abhängig vom sozialen Status, Hautfarbe oder Geschlecht. Das sagt „man“ resp. auch „frau“. Wobei die Frau schon eher weiss, wovon sie spricht, oder wie erklärt sich das der US-amerikanische Fussballverband dem weitaus erfolgreichen Frauenteam weniger ausbezahlt als den Herren. Lächerlich. Und so beschleicht einem aufmerksamen Beobachter der Verdacht, dass die doch sonst klare und leistungsorientierte Kultur im Sport von dogmatischen Philosophien und Rollenmodelle unterwandert ist. Schaut „man“ sich um, lassen sich in Managementboards und Vorständen von professionellen Club- oder Verbandsorganisationen nur sehr wenig Frauen ausmachen. Im Zusammenhang mit dem schleichenden Rückgang des Ehrenamtes eine alarmierende Feststellung. Oder nicht? Quintessenz: Wird der Sport so häufig als Metapher für die Teambildung und Managemententwickung herangezogen, versagt er in der Frage der Gleichbehandlung. Doch statt nur die Augen zu rollen, müssen wir hier umso stärker im Sport unsere Werte leben und durchsetzen.

7. Juni 2019 / Rainer Gilg, BPM Sports