Was meint Remo Käser zu den Neuerungen am ESAF 2019

Remo, kannst Du uns einen Ausblick auf das Jahr 2019 geben?

Remo: Die Vorbereitungen sind natürlich in vollem Gange. Das 2019 ist ein wichtiges Jahr mit dem Saisonhöhepunkt ESAF 2019 in Zug. Ein wichtiger Punkt ist sicher, immer gesund zu bleiben und den optimalen Fokus auf Training und Erholung zu haben. Nun gebe ich nochmals Vollgas, probiere meine Technik noch zu verfeinern und dann sollte es gut kommen, wenn ich dranbleiben kann und keinen Unfall mache.

Tradition vs. Modernisierung: Wie sieht es mit der Digitalisierung in deinem Sport aus? Wäre der Videobeweis, so wie im Fussball, im Schwingsport auch hilfreich? 

Remo: Am Eidgenössischen nehmen 278 Schwinger teil und der Anlass geht über 2 Tage, 4-Kämpfe pro Person und Tag, wenn es hoch kommt. Wenn man nun in jedem Gang via Videobeweis entscheiden will, ob man nun den Boden flach berührt hat oder noch nicht ganz, wenn man das alles nachschauen will, dann würde das Eidgenössische 3-4 Tage dauern und meiner Meinung nach ist das zu lange.

Dein Vater wurde mit 18 Jahren, 1989, Schwingerkönig. 3 Jahre später, 1992 wurde dein Onkel Schwingerkönig. Wie gross ist der Schatten / Druck deines Vaters?

Remo: Ich habe am Anfang verschiedene Sportarten ausprobiert, mein Vater hat mich überhaupt nicht zum Schwingen gezwungen. Ich habe mal Eishockey gespielt, Fussball und Volleyball ausprobiert, und mich auch im Geräteturnen versucht, dafür war ich aber zu gross. Schlussendlich habe ich mich für das Schwingen entschieden. Ich kann meinen Vater jederzeit anrufen und etwas fragen, wenn ich etwas wissen muss. Mein Vater macht mir überhaupt kein Druck. Er unterstützt, motiviert mich und baut mich wieder auf, wenn mal etwas nicht geklappt hat. Er weiss, wie viel ich in den Sport investiere, er ist ein Vorbild für mich und gibt mir viel Kraft.

21. März  2019

Vom Anschieber zum Bobpiloten

Simon Friedli (28)

Simon, wie sieht es Stand heute mit deinem Ziel als Bobpilot aus, wie weit bist du?

Simon: Es gibt enorm viele Dinge, die als Pilot noch erledigt werden müssen. Dazu gehören Teammitglieder suchen, Sponsoren suchen, das Budget aufstellen, die Saisonplanung machen und natürlich selber noch trainieren. Ich bin noch lange nicht am Ziel, aber auf gutem Wege. Und ich werde sicherlich bereit sein für meine erste Saison.

Wie gestalten sich Sommer- und Wintertraining für dich im Bobsport?

Simon: Von Frühling bis Anfang Sommer befinde ich mich jeweils in der Aufbauphase in Sprint, Kraft und Sprung. Ab Mitte Sommer beginnt die Phase, in der Schnellkrafttraining, Einzel-Anschub Training und erste Leistungstests in den Fokus rücken. Im späten Sommer wechselt der Fokus auf das Team-Anschub Training und die Maximalkraft. Im Herbst beginnt dann das Training auf den Eisbahnen, um Fahrpraxis zu erhalten. Im Winter finden an den Wochenenden fast immer Rennen statt, wo ich weitere Gelegenheiten für Erfahrung und Fahrpraxis kriege. Unter der Woche fokussiere ich mich auf die Maximal- und Schnellkraft.

Was waren bis anhin deine Highlights im Bobsport?

Simon: Der 4. Rang an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang ist momentan sicher mein persönliches Karrierehighlight. Ein weiteres Highlight meiner Karriere stellt die 2er Bob Goldmedaille am Weltcup in Sotschi (RUS) zusammen mit dem Steuermann Rico Peter.

Wie beurteilst du die Sicherheit im Bobsport?

Simon: Der Bobsport ist sehr sicher. Es gibt Reglemente, welche genau vorschreiben, wie schmal, wie hoch und wie aerodynamisch ein Bob gebaut werden darf, um sicherheitstechnisch alle Risiken zu minimieren. Weiter schützen wir uns durch einen Helm und eine Kevlar-Weste unter dem Renndress. Die Weste schützt uns vor allfälligen Verbrennungen bei einem Sturz.

Kannst du vom Bobsport leben?

Simon: Nein, das reicht leider nicht. Der grösste Teil der Schweizer Bob Athleten arbeitet durch den Sommer. Im Winter sind wir dann die ganze Zeit unterwegs. Von der Sporthilfe bekommen wir grosse Unterstützung und einige Athleten werden auch noch durch die Armee unterstützt.

Oliver Schmocker im Dress von Floorball Köniz (2018)
Oliver Schmocker in Action (2018)

Oliver, kann man in der Schweiz finanziell vom Unihockey leben?

Oliver: Nein. Als Student ist es eine gute Nebeneinkunft und man kann das Studium überleben, aber später muss man trotzdem arbeiten, sicher 60-80%. Dieses etwas geringere Arbeitspensum erlaubt einem etwas mehr Regenerationszeit, ganz auf die Arbeit verzichten liegt allerdings nicht drin. Auch die Ausländer, welche in der Schweiz spielen und am besten bezahlt werden, gehen locker noch 50% arbeiten.

Welche Unterstützung bietet Swiss Unihockey seinen Mitgliedern?

Oliver: Der Verband hat ein gutes Netzwerk in Richtung J&S, wo die Vereine auch profitieren. Zudem gibt es Nachwuchslabels, welche Anreize geben, vermehrt auf Junioren zu setzen und nicht kreuz und quer ein Team zusammenzukaufen. Im Unihockey kann man auch heute sagen, dass wirklich noch Köniz gegen Zürich spielt, wenn Köniz gegen Zürich spielt. Vermehrt werden auch neue Hallen gebaut, welche mit über 1000 Plätzen Eventcharakter erhalten und somit auch mehr Zuschauer anziehen und mehr Geld einbringen.

Wie sieht es mit den Zuschauerzahlen in der NLA aus?

Oliver: Wir haben einen Schnitt von 700-800 Zuschauer pro Spiel und liegen etwas über dem Durchschnitt, weil andere Vereine noch kleinere Hallen haben. Mittlerweile stagnieren aber die Zuschauerzahlen ein bisschen, weil einige Samstagsspiele auf SRF übertragen werden. Das ist aber der Schritt in die richtige Richtung, denn so kann auch die breite Masse die Playoff Spiele zu Hause verfolgen. Mit dieser zusätzlichen Verbreitung gelingt es vielleicht, mehr Leute für unseren Sport zu begeistern und die Zuschauerzahlen im Stadion wieder zu steigern. Im Superfinale hat es Platz für 8000 Zuschauer, das ist nochmals eine andere Klasse als ein Playoff Spiel.

Wie ist das Niveau in der Schweiz im Vergleich zu den anderen bekannten Nationen?

Oliver: Schweden hat sicher die Top-Liga, rein von der Spitze und auch von der Breite her. Die Schweiz kommt nach Finnland etwa auf Rang 3. Uns fehlt gegen hinten noch die Breite. Unsere Topvereine wie Wiler, GC und Köniz könnten aber durchaus auch in Schweden in der obersten Liga mitspielen. Danach kommt Tschechien, die haben ein sehr grosses Gefälle, aber eine riesen Sportbegeisterung und dadurch auch gute finanzielle Möglichkeiten.

Wie sieht es mit Unihockey spezifischer Infrastruktur in der Schweiz aus?

Oliver: Es sind eigentlich alles Gemeindehallen, in welche sich die Vereine einmieten. Eigene Hallen sind in der Schweiz kaum vorhanden, im Gegensatz zu Schweden. In Schweden sind somit Trainings auch morgens oder nachmittags möglich. Während des Tages sind bei uns die Hallen für die Schulen reserviert, und am Abend haben wir genau unsere Hallenzeiten, nach denen wir uns richten müssen, damit wir neben den anderen Vereinen vorbeikommen. 

Nathalie von Siebenthal (links) mit BPM Sports und Schwinger Remo Käser (rechts) am Berner Sport Forum 2018
Nathalie kam an ihrer olympischen Premiere 2018 in PyeongChang gleich dreimal in die Diplomränge: Im Skiathlon, über die 10km Skating und im Team in der Staffel.

Nathalie, wie schätzt du die Langlauf-Infrastruktur in der Schweiz gegenüber den anderen Ländern ein?

Nathalie: Die Infrastruktur hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, unter anderem mit dem Nationalen Leistungszentrum in Davos. Der Aufschwung ist sicher im Zusammenhang mit dem Erfolg und der Bekanntheit von Dario Cologna entstanden. Die Schweiz kann sicher mit anderen Top-Ländern mithalten.

Wie sieht dein persönliches Sommertraining aus? Ist das NLZ in Davos ein Thema für dich?

Nathalie: Momentan bin ich bei der Familie auf der Alp mit allen Tieren. Ich heue und melke gerne und bin einfach gern auf dem Bauernhof.  Mein Training absolviere ich oft im Tal, ich habe dort sehr gute Möglichkeiten mit Roll-Ski, Jogging und auch Krafttraining. Unsere Alp liegt auf 1700m.ü.M, das kommt sicher meinen Leistungen im steileren Gelände zu Gute, da ich nach den Trainings wieder auf die Alp hinaufjoggen oder fahren muss. Dadurch besitze ich auch eine sehr hohe VO2 max. Ich war dieses Jahr noch nie im NLZ in Davos. Wenn ich dort trainieren möchte, dann müsste ich auch dort wohnen. Es ist sicher eine gute Sache mit dem Roll-Ski-Laufband, welches sehr gute Messungen und Daten für gezielte Auswertungen bietet, aber ich fokussiere mich eher auf Bergläufe und Roll-Ski Skating und muss somit nicht unbedingt nach Davos gehen.

Wie genau hat deine Karriere begonnen?

Nathalie: Mein Vater war Langlauf JO Trainer der Region Saanenland. Ich habe 5 Geschwister und bin die Dritte. Die zwei Älteren haben wegen ihm begonnen in der JO und später bin dann auch ich dazu gestossen. Wir nahmen zuerst an regionalen Rennen teil und waren dort schnell an der Spitze. Danach gingen wir an die schweizerischen Rennen, dort war ich auch vorne dabei. Anschliessend bestritten wir den Continental Cup, dort war ich auch vorne und qualifizierte mich für den Weltcup und seither bin ich eigentlich nur noch am Weltcup unterwegs.

10. November 2018

Interview mit dem Kunstturner Benjamin Gischard

Benjamin, mittlerweile ist Halbzeit im Olympiazyklus. Wie sehen deine weiteren Pläne und Vorbereitungen im Hinblick auf Tokio 2020 aus?

Benjamin: Anders als noch in Rio 2016 muss jeder Athlet in Tokio 2020 alle Geräte beherrschen, um für das Team interessant zu werden. Meine Vorbereitung umfasst somit neu wieder alle 6 Geräte. Normalerweise absolviere ich 4 Geräte: Boden, Pferd, Ring und Sprung. Nun gehören Barren und Reck auch wieder vermehrt auf den Trainingsplan. Dort trainiere ich zurzeit eher einfache Übungen, aber füge noch 1-2 Elemente hinzu, damit ich das Schwierigkeitslevel eines guten 6-Kämpfers erreiche. Nächstes Jahr, 2019, ist das wichtige Jahr: Wenn wir an der WM 2019 unter die ersten acht kommen, sind wir direkt für die OS qualifiziert. Ansonsten bestreiten wir die Preolympics, an welchen die beste 4 Teams das Ticket für die Olympischen Spiele erhalten.

Was war bis anhin dein schönster Moment im Kunstturnen?

Benjamin: Die schönsten Momente waren für mich der 3. Rang im Team an den Europameisterschaften in Bern und natürlich die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die Olympischen Spiele sind nochmals etwas anders als ein Grossanlass. Es wurde ein ganzes Dorf extra für die Athleten aufgebaut und militärisch überwacht. Die Eingangskontrolle war wie am Flughafen. Es macht einen schon nervös, wenn du reinkommst und vor dir die grossen Olympischen Ringe siehst. Zwei bis drei Jahre zuvor war das noch mein Traum und dann stehen ich plötzlich dort, ein unbeschreibliches Gefühl. 

Hast du irgendwelche Rituale vor dem Wettkampf?

Benjamin: Eigentlich nicht, vor jedem Gerät visualisiere ich einfach alles und gehe die Übungen nochmals im Kopf durch.

Und wie sieht es mit der Ernährung aus?

Benjamin: Fünf Stunden vor dem Wettkampf nehme ich die letzte grosse Mahlzeit zu mir, damit sie mir während dem Wettkampf nicht aufstösst. Am Wettkampf selber habe ich einige Energieriegel im Gepäck und trinke hauptsächlich Wasser und Powerrade, um schnell wieder zu Zucker zu kommen. In Magglingen, an meiner ersten Qualifikation für die EM, wurde mir ein riesiges Hungerloch zum Verhängnis. Nach dem ersten Gerät hatte ich überhaupt keine Energie mehr und mir wurde schwindlig. Anschliessend habe ich richtig viel gegessen und mir wurde noch schlecht, ich konnte mich gar nicht mehr auf die Übungen konzentrieren. Im Alltag ernähre ich mich einigermassen ausgewogen.

Bekanntlich ist mit dem Kunstturnen enormer Aufwand verbunden. Wie sieht die finanzielle Entschädigung dafür aus?

Benjamin: Im Nationalteam in Magglingen wird uns die Unterkunft und das Essen bezahlt. Zusätzlich gibt es noch eine Art Leistungslohn, aber für die Zukunft viel Geld auf die Seite legen kann man nicht. Du musst dir nebenbei ein Standbein aufbauen, ich habe beispielsweise vor kurzem mit dem Fernstudium begonnen.

Hast du spontan noch eine lustige Geschichte auf Lager, aus Wettkämpfen oder Trainings?

Benjamin: In einem leichten Mittwochtraining mit lockerer Stimmung haben wir uns ein Spässchen mit dem Cheftrainer erlaubt: Während er kurz ins Büro musste, versteckten wir uns alle irgendwo in der Halle. Als er wieder zurückkam, war die Halle leer. Völlig ratlos fing er an, uns zu suchen und fand dann auch die meisten. Unser Teammitglied aber, Pablo Brägger, konnte er nicht finden. Der hat es volle 15 Minuten durchgezogen und wir mussten den Trainer schlussendlich mit «wärmer» und «kälter» zum Versteck hinführen.

10. Oktober 2018

Rückblick:
Die Fussball-WM in Russland aus Sicht des Materialwartes

Silvan, du warst ja schon an der EM 2016 dabei und jetzt auch an der WM 2018 in Russland: Welche Aufgaben übernimmst du als Materialwart?

Silvan: Vor der WM war ich für die Materiallogistik nach Russland zuständig. Vor Ort in Russland sorgte ich dafür, dass die Spieler immer ausgerüstet waren. Jeder Spieler kann vor dem Training seinen individuell zugeschnittenen Kleiderstapel fassen. Für die vier Trainer, Cheftrainer, Assistenztrainer, Konditionstrainer und Torwarttrainer, gilt dasselbe Prinzip. Die weiteren Teammitglieder, wie Physios und Ärzte, rüsten sich selber mit dem nötigen Material aus. Im Training lege ich das nötige Material bereit und assistiere bei verschiedenen Übungen. An einem Spieltag richte ich die Kabine sauber ein, damit alles bereit liegt, wenn die Mannschaft eineinhalb Stunden vor dem Spiel erscheint. Während dem Spiel bin ich auf der Trainerbank und für allfälliges Ersatzmaterial verantwortlich. In der Halbzeit lege ich den Spielern ein neues Trikot bereit, damit sie ihr verschwitztes Shirt wechseln können. Nach dem Spiel geht es nur noch ums Aufräumen. Waschen und Schuheputzen gehört nicht zu meinen Aufgaben, denn wir sind insgesamt zu viert im Materialteam.

Die Spiele konntest du jeweils von der Trainerbank aus verfolgen, was war dein persönliches Highlight an dieser WM?

Silvan: Das Highlight ist vor allem, dass man die Emotionen hautnahe miterlebt. Zu Hause vor dem Fernseher mitfiebern ist nicht vergleichbar mit dem Erlebnis im Stadion. Ich habe im Prinzip einer der besten Plätze, muss aber gleichzeitig stets aufmerksam und bereit sein, wenn irgend etwas mit dem Material passiert. Das Highlight war emotional gesehen sicher das Spiel gegen Serbien: Wir liegen 0:1 im Rückstand und wissen, wir würden mit diesem Resultat ausscheiden. Plötzlich gelingt uns in der zweiten Halbzeit das 1:1 und anschliessend in der Nachspielzeit das 2:1. Dann explodierst du förmlich und drehst nur noch durch.

Wie hast du das Achtelfinalspiel Schweiz-Schweden miterlebt?

Silvan: Wir waren öfter in Ballbesitz und wussten gleichzeitig, dass die grossen und kräftigen Schweden nicht zu unterschätzen sind. Uns fehlten irgendwie die nötigen Mittel, um diese Abwehr zu knacken. Wir hatten die eine oder andere Chance, aber nach dem 0:1 Rückstand kam noch die Angst vor dem Ausscheiden dazu. Egal wie gut du in den Gruppenspielen bist, wir haben in einer starken Gruppe kein einziges Mal verloren, kann es trotzdem schon nach dem ersten K.O.-Spiel vorbei sein, wenn du die Partie nicht mehr drehen kannst. Am Schluss war es halt eine riesen Enttäuschung, es herrschte eine Leere, Totenstille. Am nächsten Tag nervt man sich, wenn man realisiert, dass man gerade eine riesen Chance verpasst hat. Das Wissen, wir müssen jetzt zusammenpacken, unser Camp und Russland verlassen und nach Hause fliegen, wahr ein sehr merkwürdiges Gefühl. Man hat sehr viel Zeit zusammen mit dem Team verbracht, sich auch daran gewöhnt und auf einmal ist man wieder zu Hause im Alltag. 

Hast du spontan eine lustige Geschichte auf Lager, aus dem Hotel oder aus den Trainingseinheiten?

Silvan: Um die Stimmung im Training zu fördern, macht man halt ab und zu ein paar Scherze: Am Ende eines Trainings sammelte ich wie üblich alle Bälle zusammen und rief «Achtung Ball!», aus Spass und in voller Lautstärke: Da erwischst du fast jeden Spieler, wie er zusammenzuckt. Yvon Mvogo legte sich sogar auf den Boden, weil er dachte, er werde im nächsten Moment vom Ball getroffen.

10. September 2018

Ist Zocken doch gesund? – Die wichtigsten Fakten zu Exergaming

Bild: MAYO CLINIC

Computer- und Videospiele haben unter vielen Eltern und Schulen einen zwiespältigen Ruf. Nicht wenig wird das Gaming mit negativen Aspekten assoziiert. Ein Gamer sei faul, sozial isoliert und ein potentieller Kandidat für Amokläufe. Ist Gaming wirklich so schädlich für die Gesundheit von Kinder und Jugendlichen oder ist dies nur die halbe Wahrheit? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Exergaming. Exergaming ist eine Verschmelzung von Fitness und Videogames. 

Was bedeutet Exergaming?
Exergames sind digitale Spiele („Gaming“), die das Spielen mit einer körperlichen Aktivität („Exercise“) kombinieren. Die Wurzeln des Genres liegen in den 1980-er Jahren, wobei erst durch Nintendo Wii Fit eine große Breitenwirkung erzielt werden konnte. Im Unterschied zum herkömmlichen Begriff von Gaming fokussieren sich Exergames bei der Zielsetzung auf die Förderung von gesundheitlichen Aspekten, die durch signifikante Körperbewegungen spielerisch erreicht werden sollen. Signifikant bedeutet, dass die Bewegungsausübungen über die mindestnotwendigen Fingerbewegungen bei der Nutzung eines Controllers hinausgehen müssen.

Welche positiven Effekte haben Exergames?
Exergames sprechen eine breite Masse an. Egal ob jung oder alt, jeder kann damit seine körperlichen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten verbessern. 
Exergames können sich positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Es fördert nicht nur die physische Aktivität, sondern gleichzeitig auch den emotionalen Gemütszustand. Vor allem Kinder im Schulalter, die mit Übergewicht, körperlichen oder geistigen Einschränkungen zu kämpfen haben, können davon profitieren. Ebenso bieten die aktiven Videospiele für Senioren neue Möglichkeiten. Im Gegensatz zu den traditionellen Übungen und Rehaprogrammen kann das Fitnessprogramm einfach zuhause regelmäßig praktiziert werden ohne langen beschwerlichen Reiseweg zurückzulegen. Mittels der Videospiele können sowohl die Koordination und die Prävention gegen Stürze verbessert werden, zudem bieten Sie eine hervorragende Lösung, damit die Senioren geistig und körperlich fit bleiben.

Welche Vorteile bieten sie im Vergleich zum traditionellen Sport?
Im Vergleich zu den traditionellen Formen des physischen Trainings bzw. Sportarten ist Exergaming nicht nur eine körperliche Aktivität, sondern auch eine Form von Unterhaltung, Herausforderung und Wettkampf, was dazu führt, dass die Motivation höher ist und die wahrgenommene Anstrengung als tiefer empfunden wird als bei traditionellen Übungen. Zudem kann das Spiel bequem von Zuhause ausgeführt werden.

In welchen Bereichen der Sport- und Gesundheitsbranche kommt das Exergaming zur Anwendung?
Das Nutzen von Exergames kommt sowohl in der Gesundheitsförderung, im Leistungssport, als auch im Fitnesssektor zur Anwendung.

Exergaming hat viele Vorteile. Gibt es auch Gefahren? Ab wann ist ein Konsum von Computer- und Videospielen schädlich?
Obwohl Exergames eine spielerische Alternative zu den herkömmlichen Fitnesstrainings sind und die Bereitschaft für die körperliche Aktivität steigern können, sind sie noch lange kein vollständiger Ersatz für das traditionelle Training. Eine Kombination mit anderen Sportarten oder Aktivitäten ist zu empfehlen. Zudem muss ein vernünftiges Gleichgewicht der Häufigkeit der Nutzung gefunden werden, damit es keine Überanstrengung zufolge hat. Wieviel angemessen ist, hängt einerseits von der Person sowie vom Spiel selber ab.

Können Exergames sogar die traditionelle Bildung in Schulen und Betrieben revolutionieren?
Sei es unter Jugendlichen einer Sekundarschule oder den Mitarbeitern eines Betriebes, das fehlende Engagement und die mangelnde Motivation sind eines der Hauptprobleme der traditionellen Bildung. Stundenlanges Zuhören, Theorievermittlung aus Büchern und kein Praxisbezug zu den erlernten Inhalten. Sogenanntes Game-based Learning oder Serious Games („ernsthafte Spiele“) könnten dieses Problem lösen. Die praktische Lernmethode vermittelt Inhalte und Fertigkeiten mittels Videospielen. Die Spiele sind gleichzeitig unterhaltsam, ermöglichen individualisiertes Feedback und schaffen durch den Wettbewerb ein erhöhtes Engagement und Motivation unter den Lernenden. Sei es zum Beispiel zum Lernen von Geometrie an Schulen oder zur Stärkung der Leadershipkompetenzen in Betrieben.

Hinweis:
Am 22. August findet das Berner Sport Forum im VonRoll Areal der Universität Bern statt. Die dritte Ausgabe des BSF beschäftigt sich mit dem Themenschwerpunkt „Digitalisierung im Sport“, wo man sich im Rahmen eines Labs auch mit der Thematik Exergaming auseinandersetzt. Hier anmelden

10. August 2018